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Nordöstlich von Berlin liegt, gut versteckt im Wald zwischen Werneuchen, Strausberg und Bad Freienwalde, auf riesigem Areal, eine heute abbruchreife NVA-Kasernenanlage.
Vom nahegelegenen Harnekop aus deutete nichts auf dieses Objekt hin, nur Eingeweihte kannten den Weg.
Keiner im Dorf ahnte, daß es sich hierbei um eines der bestgehüteten DDR-Staatsgeheimnisse handelt:
Es geht um den Führungsbunker 01 des damaligen Ministeriums für Nationale Verteidigung.
Hierbei handelt es sich um ein Objekt, das einmalig in der Welt sein dürfte, denn Schutzbauwerke dieser Generation sind - zumindest in Europa - noch im Einsatz und können durch Zivilisten nicht besichtigt werden.
Nach mehreren Nutzerwechseln beseitigen seit März 1999 ca. 30 Enthusiasten Chaos und Unordnung im Bauwerk. Diese Leute bemühen sich, Ordnung zu schaffen, um die gut erhaltenen diversen Funktionsbereiche im Zusammen-hang darzustellen zu können. Organisierte Führungen finden zunehmend auch internationale Interessenten.
Zwei gemeinnützige Vereine verstehen sich als Interessenten-Plattform für Erhalt, Erfassung und Info-technische Aufarbeitung sowie deren übersichtliche öffentliche Präsentation und Dokumentation.
Hinter maroden Zäunen sind noch heute die Rudimente der bis zu 10 000 Volt ausgelegten "HSA" erkennbar. Diese Hochspannungssicherungsanlage und zahlreiche Wachsoldaten haben ungebetene Gäste von der Anlage ferngehalten, denn Neugierige waren hier verständlicherweise nicht erwünscht.
Das 3-etagige Bauwerk wurde zwischen 1971-1976 für die Führung der NVA gebaut. Im Kriegsfall sollte es wichtigste Koordinierungsstelle zwischen NVA und dem Vereinten Oberkommando der Warschauer Vertragsstaaten sein.
Die Erdwärme sorgt rund 30 Meter tief im märkischen Sand zu jeder Jahreszeit für konstante 10-12°C. Eine Heizungs-anlage wird man daher im Bunker Harnekop vergeblich suchen. Unter dem als Schulungsobjekt ausgewiesenen und für Stabsübungen vorgesehenen Gebäude verbirgt sich der Zugang zum Bauwerk.
Genau 95 Stufen führen in die Tiefe. Mehrere bis zu 2,5 t schwere, speziell gesicherte druck- und gasdichte Türen machen den Weg durch bis drei Meter dicke Außenwände frei.
Hier befinden sich die Kommando- und Arbeitsbereiche für das operative Personal, Lagekarten, Sitzungszimmer, Schaltzentralen und die Räume für den Minister.
Das fällt vorallem jüngeren Besuchern auf: Keinerlei Luxus! Die gesamte Einrichtung des Schutzbauwerkes besticht mit dem "Charme der 70-er Jahre". Viele sagen: Alles ist äußerst spartanisch aber sehr funktionell eingerichtet.
Beim Weg durch das Bauwerk federt der Boden bei fast jedem Schritt, denn alle Fußböden sind auf großen Stahlfedern gelagert. Selbst die hängende Kühlzelle würde nach schweren Detonationen noch arbeiten können.
In der mittleren Etage befinden sich Küche und Kantine sowie mehrere Speise- und Schlafräume.
Die 3. Etage gehörte allein der Technik. Neben der Brunnenanlage mit den Wassertanks waren hier die Netzersatz-anlage, bestehend aus vier Schiffsdieseln (je 540 PS/ 380 KVA) sowie die Nachrichten- und EDV-Anlagen installiert.
Die Kampfbesatzung (ca. 450 Personen) hätte - vollständig ohne Versorgung von außen - hier knapp einen Monat überleben können. Ihre Aufgabe: Beteiligung an der Organisation des "Gegenschlages".
Tief unter der Erde führten die Kabel von der hervorragend ausgestatteten Nachrichtenzentrale zu diversen sogenannten "abgesetzten" Funkstellen, zB. bei Kunersdorf und Wollenberg. Hier, mehrere Kilometer entfernt, waren die Antennenanlagen aufgebaut - ohne erkennbare Verbindung zum Objekt Harnekop.
Wichtige Nachrichtenverbindungen bestanden zu den SBK des Nationalen Verteidigungsrates in Prenden, des MfS in Biesenthal, des MdI in Freudenberg, zu den Militärbezirken Neubrandenburg und Leipzig sowie zu den Waffenbrüdern im Warschauer Vertrag - speziell in Wünsdorf und Moskau.
Der Weg aus dem unterirdischen Labyrint nach oben führt immer wieder durch separierbare Abschnitte:
Wie auf U-Booten hätten im Brand- oder Havariefall ganze Bereiche dichtgemacht werden können.
Mehrere Notausgänge und ein innenliegendes Treppenhaus erhöhten die Sicherheit für die Besatzung.
Notfälle hat es (im seit der Eröffnung ungenutzten Bunker) nie gegeben. Zum Glück hat uns allen der Verlauf der Geschichte den Zweck solcher Anlagen und ihren Einsatz - den Krieg - erspart.
Die Vergangenheit holt den Besucher immer wieder ein. Jetzt ist das Monstrum überflüssig, ein Relikt des weltweit geführten "Kalten Krieges". Gleichzeitig aber auch ein Beweis für höchste Bau- und Ingenieurkunst sowie für enorme Leistungsfähigkeit der DDR auf technischem Gebiet. Seine "Brüder" sind noch in Betrieb.
Wesentliche Aspekte der Anlage aufzuarbeiten, wissenschaftlich zu dokumentieren um sie der Öffentlichkeit darzustellen - diese Aufgabe stellt sich der Verein "Baudenkmal Bunker Harnekop eV" Ihm ist es zu verdanken, daß der Bunker heute auf der Landes-Denkmalliste steht und besichtigt werden kann.
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